aktuelles im juli2009

lutz geydan | InfoBlog
aktuelles im juli2009


Liebe Kolleginnen, Liebe Kollegen,
Sehr geehrte Damen und Herren,

ein Zitat eines Deutschlandchefs einer europäischen Investmentbank: “angesichts der Arbeit, die ein Investmentbanker leistet erscheint es unerklärlich, weshalb er so viel mehr verdient als ein Ingenieur, der eine Brücke baut und es kann dafür nur einen Grund geben: Hier versorgen sich die Angehörigen einer Kaste gegenseitig mit Geld.” Das Zitat steht in der Zeit, der zitierte will nicht genannt werden. So weit, so gut - über die Krise der Finanzwirtschaft ist in den letzten Wochen viel geschrieben worden und es wird noch viel geschrieben werden, in naher Zukunft.

Wieder angekommen in der Realwirtschaft habe ich mich angesichts des Kita-Streiks in den vergangenen Wochen dann wieder mal gefragt, warum Erzieherinnen und Erzieher und andere z.B. aus der Pflege, die unmittelbar für und mit Menschen arbeiten, so viel weniger erhalten, als andere Arbeitnehmer die an Autos, Maschinen oder Chemikalien arbeiten.

Was ist dieser Gesellschaft die Arbeit mit und für Menschen noch wert, wenn für die Verbesserungen die diese Tarifeinigung gebracht hat, so lange und so hart gekämpft werden muss? Was sind uns die zu betreuenden oder zu beratenden Menschen noch wert, wenn der Dienst an ihnen immer mehr oder fast nur noch unter Kostengesichtspunkten beurteilt wird?

Ich hoffe, Frank Bsirske hat Recht wenn er sagt, “der Einstieg in die Aufwertung der Sozial- und Erziehungsberufe ist gelungen.” Ein Einstieg - mehr ist es wirklich noch nicht.

Viele Grüße,

lutz geydan


  1. Es ist ein Kampf auch mit mir selbst
  2. Deutsche Arbeitszeiten im EU-Vergleich
  3. Tarifeinigung bei Kitas und Sozialdiensten
  4. Das Geschäft mit den Leiharbeitern
  5. Wirtschaftsweiser Bofinger warnt vor Lohnverzicht
  6. Müllmann rettete Bett – Gericht verwirft Kündigung
  7. Fristlose Kündigung - Fette Beute
  8. Der Mindestlohn ist unter uns
  9. Manche Jobs muss man nicht machen
  10. Bagatelle als Kündigungsgrund
  11. Unsaubere Arbeit im Uni-Klinikum endet mit einer Kündigung
  12. Arbeitsstelle Vielfalt” gegen Diskriminierung
  13. BenQ-Mitarbeiter klagen erfolgreich
  14. Todeslisten sind verbindlich
  15. Wie Firmen über ihre Mitarbeiter schreiben
  16. Behindert oder nicht - der Gewinn muss passen
  17. Krank arbeiten führt zu langem Krankenstand
  18. Ein Chef für jede Tonart
  19. Die hartnäckigsten Gerüchte über den Kündigungsschutz
  20. Wir sehen uns vor Gericht
  21. Ausgebrannt und kurz vor der Explosion

Es ist ein Kampf auch mit mir selbst | Fette Sau. Nazischlampe. Alte Fregatte. Deutsche Hure. Krämer, deinen Namen merke ich mir, pass gut auf deine Kinder auf! Du hattest wohl schlechten Sex letzte Nacht, du blöde Kuh. Das sind Worte und Sätze, die Marion Krämer jeden Tag aushalten muss. Manchmal scheint es, als brächen in Zügen alle Dämme menschlichen Anstands. Die hässliche Flut ergießt sich über die Zugbegleiterin. Daran nicht zu zerbrechen, ausgeglichen zu bleiben, körperlich und seelisch, ist eine gewaltige Aufgabe.

Marion Krämer fährt seit acht Jahren im Regionalverkehr in Nordrhein-Westfalen…..

Es ist ein Kampf auch mit mir selbst


Deutsche Arbeitszeiten im EU-Vergleich | Im Laufe der Woche gab es in unterschiedlichen Nachrichten unterschiedliche Ansichten darüber, ob in Deutschland im Vergleich mit anderen Ländern in Europa viel oder wenig gearbeitet wird. Darum gibt’s jetzt hier mal zwei Artikel / Berichte die es ganz gut zusammenfassen.

Eine Anmerkung, kurz, in ihrer Aussage nicht umfassend: In Deutschland arbeiten viele ArbeitnehmerInnen, meistens oder oft Frauen, in Teilzeitjobs, machen viele unbezahlte Überstunden und haben 30 Tage Urlaub.

Deutsche Arbeitszeiten im EU-Vergleich


Tarifeinigung bei Kitas und Sozialdiensten | Die Kita-Streiks sind vorbei, der Tarifabschluss ist nach einigen Dauer-Verhandlungen rechtzeitig vor Beginn des Wahlkampfes da. Es war mir neu, dass die Arbeitsbedingungen, dass der Arbeits- und Gesundheitsschutz in Tarifverhandlungen eine so zentrale große Rolle spielen kann - jedenfalls habe ich im Rahmen von Tarifverhandlungen noch nie so oft und so gern das Wort “Gefährdungsbeurteilung” gehört, wie jetzt bei den Kita-Verhandlungen-Streiks.

Allerdings habe ich mich auch gefragt, ob jetzt tariflich das konkretisiert werden soll, wozu jeder Arbeitgeber gesetzlich längst verpflichtet ist. Jetzt gibt es die ersten Reaktionen auf das Ergebnis und in dieser hier spricht Dietmar Hennig auf der World Socialist Website von einem Ausverkauf durch die Gewerkschaften. Ein ausführlicher, sehr kritischer Artikel.

Tarifeinigung bei Kitas und Sozialdiensten


Das Geschäft mit den Leiharbeitern | Die Reportage zeichnet das erschütternde Bild einer Branche, die noch im letzten Jahr als “Wundermittel” gegen Arbeitslosigkeit galt und heute in einem gnadenlosen Preiskampf versinkt.

Das Geschäft mit den Leiharbeitern


Wirtschaftsweiser Bofinger warnt vor Lohnverzicht | Jetzt mischt sich ein Wirtschaftsweiser in die von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt losgetretene Debatte um niedrigere Tariflöhne ein. Peter Bofinger warnt angesichts eines breiten Lohnverzichts vor einer Deflation. Damit stellt sich der Wirtschaftsweise auf die Seite der Gewerkschaften.

Wirtschaftsweiser Bofinger warnt vor Lohnverzicht


Müllmann rettete Bett – Gericht verwirft Kündigung | Die fristlose Kündigung eines Müllmanns, weil er ein Kinderbett aus dem Müll mitnahm, ist unwirksam. Das Arbeitsgericht Mannheim stellte sich auf die Seite des Mitarbeiters. Die Richter entschieden also anders als im Fall der Kassiererin Emmely.

Müllmann rettete Bett – Gericht verwirft Kündigung


Fristlose Kündigung - Fette Beute | über 1,30 Euro als Basis zur fristlosen Kündigung, wie sie seit Monaten in den Schlagzeilen sind, kann der Oberhausener Rechtsanwalt Hans Henning Klingen nur müde lächeln. Er schlägt sich derzeit mit einem Centbetrag herum, der im Hundertstelbereich liegt.

Seinem Mandanten, dem aus Nordafrika stammenden Arbeiter Mohammed Sheikh, wurde fristlos gekündigt, weil er am Arbeitsplatz mit dem Strom seines Arbeitgebers sein Handy aufgeladen hat.

Fristlose Kündigung - Fette Beute


Der Mindestlohn ist unter uns | Ein erstaunlicher, wichtiger Artikel zum Thema Mindestlohn. Volker Hagemeister schreibt in der FAZ über Rechtsprechung zur Sittenwidrigkeit von Löhnen und erwähnt Urteile der Arbeitsgerichtsbarkeit. Er schreibt: “Die Arbeitgeber müssen mindestens zwei Drittel des einschlägigen Tariflohns oder des üblicherweise regional in der Branche gezahlten Lohnes zahlen”.

Dabei werden Beispiele genannt, in denen sich Angestellte Nachzahlungen vor Gericht erstritten haben, wie das einer Packerin, die jahrelang für 5,20 Euro gearbeitet hat und vom Arbeitsgericht Dortmund eine Nachzahlung von 10.000 Euro zugesprochen bekam (Az. 4 Ca 274/98).

Der Mindestlohn ist unter uns


Manche Jobs muss man nicht machen | Gefälschte Fahrtenschreiber, unzumutbare Arbeitszeiten: Ein Busfahrer aus Hessen konnte das nicht ertragen. Er kündigte. Die Arbeitsagentur wollte ihm deshalb seine Bezüge kürzen – und erlitt Schiffbruch.

Manche Jobs muss man nicht machen


Bagatelle als Kündigungsgrund | Eine Kündigung ist keine “Bestrafung” für Vorkommnisse der Vergangenheit. Eine Kündigung beinhaltet aber immer eine Prognose, ob eine Zusammenarbeit in der Zukunft aus betrieblichen, persönlichen oder verhaltensbedingten Gründen noch möglich ist.

Bei Diebstahl z.B. sieht die Rechtsprechung das Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber als gestört an. Kündigungsschutzklagen werden oft abgewiesen, egal ob es sich bei dem Diebstahl um ein Stück Bienenstich, oder um den Lieferwagen einer Bäckerei handelt. Und das auch bei einer Kündigung, die auf einen “begründeten” Verdacht des Arbeitgebers ruht. Sascha Baron hat bei der Deutschen Welle einige Fälle von 1979 bis 2009 kurz aufgezählt.

Bagatelle als Kündigungsgrund


Unsaubere Arbeit im Uni-Klinikum endet mit einer Kündigung | Einer Reinigungskraft im Universitätsklinikum Marburg wird gekündigt, weil sie ihre Arbeit nicht gut gemacht haben soll, vor allem die Toiletten in ihrem Arbeitsbereich, nicht oder nur oberflächlich gereinigt habe. Eine Kündigung wegen Schlechtleistung ist das wohl, der der Betriebsrat zugestimmt hat.

Unsaubere Arbeit im Uni-Klinikum endet mit einer Kündigung


Arbeitsstelle Vielfalt” gegen Diskriminierung | Hamburger, die sich diskriminiert fühlen, die von Ausgrenzung und Benachteiligung betroffen sind, haben ab der kommenden Woche eine zentrale Anlaufstelle, in der sie sich informieren und ihre Fälle melden, beziehungsweise dagegen vorgehen können.

Am 1. August startet die “Arbeitsstelle Vielfalt” in der Justizbehörde mit der Arbeit. Die neue Leiterin der Arbeitsstelle, Angela Bähr, und Justizsenator Till Steffen (GAL) haben die neue Einrichtung am Freitag vorgestellt. Die Arbeitsstelle wird sich mit den Bereichen Geschlechterpolitik, Bekämpfung von Rassismus und Rechtsextremismus, der interkulturellen Vielfalt, dem demografischen Wandel und der Beratung zum Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) befassen.

Arbeitsstelle Vielfalt” gegen Diskriminierung


BenQ-Mitarbeiter klagen erfolgreich | Vier ehemalige BenQ-Mitarbeiter aus NRW, die vor dem Bundesarbeitsgericht gegen den Mutterkonzern Siemens geklagt hatten, bekamen am Donnerstag (23.07.09) Recht. Siemens muss die Ex-Mitarbeiter weiter beschäftigen.

BenQ-Mitarbeiter klagen erfolgreich


Todeslisten sind verbindlich | Einigen sich Arbeitgeber und Betriebsrat darauf, wer im Fall einer Entlassungswelle das Unternehmen verlassen muss, haben die Gekündigten kaum eine Chance, ihren Job doch noch zu retten.

Ein Unternehmen, das bei Massenentlassungen mit dem Betriebsrat einen Interessenausgleich verhandelt und dabei eine Namensliste erstellt, aus der hervorgeht, wer das Unternehmen verlassen muss – die sogenannte „Todesliste“ -, kann Kündigungsschutzklagen der entlassenen Mitarbeiter ohne Sorge entgegensehen. Wer auf dieser Liste steht, hat nur geringe Chancen, seine Kündigung noch zu Fall zu bringen.

Todeslisten sind verbindlich


Wie Firmen über ihre Mitarbeiter schreiben | Erst im Kleingedruckten der Geschäftsberichte zeigt sich, was Unternehmen wirklich in ihren Mitarbeitern sehen: vor allem Kostentreiber.

Menschen sind keine Maschinen. Klar, oder? Viele deutsche Unternehmen tun sich schwer, den Stellenwert ihrer Mitarbeiter angemessen einzuschätzen, haben die Managementberater Manfred Piwinger und Brigitte Biehl-Missal festgestellt. Einige Firmen sähen in ihren Angestellten kaum mehr als bloße Produktionsfaktoren.

Wie Firmen über ihre Mitarbeiter schreiben


Wirtschaft knallhart: Behindert oder nicht - der Gewinn muss passen | Auch die Behindertenwerkstätten spüren die Wirtschaftskrise. Sie stellen sich darauf ein, dass Auftraggebern der Autoindustrie die Umsätze einbrechen und weniger vergeben wird.

Der Artikel in der Süddeutschen beschreibt die Situation aus der Sicht eines Mitarbeiters, Achim Becker, der Stiftung Pfennigparade in München. Achim Becker hat zwar keine Angst um seinen Arbeitsplatz, nichtsdestotrotz aber rechnet er mit Veränderungen und reagiert darauf.

Ein interessanter Artikel, der auch beschreibt, dass es gerade auch für Behindertenwerkstätten wichtig ist, als Auftraggeber nicht nur die Autoindustrie zu kennen. Schade es, dass neben Achim Becker nur noch der Stiftungsvorstand zu Wort kommt. Eine Stellungnahme des Betriebsrats hätte den Bericht sinnvoll abgerundet.

Behindert oder nicht - der Gewinn muss passen


Krank arbeiten führt zu langem Krankenstand | Wie so oft, ist es eine österreichische Website, auf der wissenswertes über Gesundheit und Krankheit im Arbeitsleben steht. Unter Verweis auf die österreichische Akademie für Arbeitsmedizin berichtet Voralberg Online von dänischen Forschern, die 12.000 arbeitende Personen zu ihrer Bereitschaft befragt haben, bei Krankheit zuhause zu bleiben und wie oft sie in einem Jahr krank in der Arbeit erschienen waren, obwohl ein Daheimbleiben vernünftiger gewesen wäre.

Krank arbeiten führt zu langem Krankenstand


Ein Chef für jede Tonart | jeder Arbeitnehmer kann wohl eine Geschichte über cholerische Vorgesetzte zum Besten geben. Doch selten sind sie so haarsträubend wie jene, die gerade das Bundesarbeitsgericht beschäftigte. In einer EDV-Firma in der Nähe von Bamberg hat ein leitender Angestellter über Jahre seine Mitarbeiter drangsaliert.

Während seiner Wutanfälle soll er ihnen mit einer Soft-Air-Pistole, einer Gaspistole und einem Messer gedroht haben. Einen Untergebenen traktierte er angeblich mit einer elektronischen Fliegenklatsche und versetzte ihm so einen Stromschlag. Einen anderen Kollegen traf er mit einer Lederpeitsche. Als die Geschäftsleitung ihn aufgrund der Vorwürfe fristlos kündigte, zog er 2003 vor Gericht.

Ein Chef für jede Tonart


Die hartnäckigsten Gerüchte über den Kündigungsschutz | Sechs an der Zahl benennt die Zeit.

Die hartnäckigsten Gerüchte über den Kündigungsschutz


Wir sehen uns vor Gericht | Mitarbeiter wehren sich erbittert gegen Kündigungen, Unternehmen knausern mit Abfindungen, die Justiz ist überlastet: In der Krise eskaliert der Kampf um Arbeit.

Fünfzehn Minuten pro Schicksal müssen reichen. In Saal 112 des Hamburger Arbeitsgerichts geht es Schlag auf Schlag: Um 9 Uhr ist eine russische Putzfrau dran, die gegen ihre Entlassung klagt, um 9.15 Uhr ein Hafenarbeiter, um 9.30 Uhr eine Erzieherin, danach eine Kosmetikerin, ein Handwerksmeister, ein Fensterputzer….

Wir sehen uns vor Gericht


Ausgebrannt und kurz vor der Explosion | An manchen Wochenenden dachte Sabine Becker (Name geändert), dass sie keine Kraft mehr haben würde, montags wieder im Krankenhaus zu arbeiten. “Ich musste weinen, obwohl es gar keinen Anlass gab”, sagt die 43-Jährige. Sie war völlig überfordert und überarbeitet. Becker arbeitet als Stationsleiterin in einer Frauenklinik. 250 Überstunden hat sie angehäuft. Oft kam sie erst um 18 Uhr heim nach einem zehnstündigen Arbeitstag.

Ausgebrannt und kurz vor der Explosion


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